Drohnenabwehr in Österreich ist längst kein Nischenthema mehr: In einem Beitrag im Ö1 Mittagsjournal vom 12. Februar 2026 wurde diskutiert, wie Österreich Drohnen erkennen, bewerten und – falls nötig – abwehren will. Im Mittelpunkt: eine gesamtstaatliche Drohnenabwehrstrategie, mögliche Meldepflichten, die Zusammenarbeit mit kritischer Infrastruktur sowie die Schnittstelle zwischen Sicherheitsbehörden und Bundesheer.
Hinweis: Dieser Artikel fasst die Inhalte der Radiosendung in eigenen Worten zusammen und ergänzt sie um öffentliche Hintergrundinformationen. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine behördliche Auskunft.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Österreich arbeitet an einer Drohnenabwehrstrategie, die Zuständigkeiten und Abläufe besser verzahnen soll.
- Diskutiert wird u. a., ob künftig mehr Drohnenflüge meldepflichtig werden (Stichwort: gesamtes „Drohnen-Luftlagebild“).
- Bei Großveranstaltungen und „Hotspots“ spielt neben Behörden auch die Privatwirtschaft (kritische Infrastruktur / Veranstalter) eine Rolle – vor allem bei passiven Schutzmaßnahmen.
- Oberst Markus Reisner, Experte des Bundesheeres unterscheidet drei Ebenen: Lagebild, passive Maßnahmen, aktive Maßnahmen.
- Für legale Betreiber bleibt zentral: Registrierung, Geo-Zonen (Flugverbotszonen) und saubere Flugplanung – je nach Gebiet ggf. mit Freigaben.
Inhaltsverzeichnis
- Audio aus dem Ö1-Beitrag (Download)
- Warum Drohnenabwehr 2026 im Fokus steht
- Drohnenabwehrstrategie Österreich: Akteure & Ziele
- Zuständigkeiten im Überblick (Tabelle)
- Meldepflicht, Registrierung & „Luftlagebild“
- Lagebild, passiv, aktiv: Wie Drohnenabwehr praktisch gedacht wird
- Großevents & kritische Infrastruktur: Hotspots schützen
- Was bedeutet das für Drohnenbetreiber?
- FAQ
- Quellen & weiterführende Links
Audio aus dem Ö1-Beitrag (Download)
Hier findest Du den entsprechenden Ö1 Radio Beitrag zur Drohnenabwehr Strategie in Österreich, aus dem Ö1 Mittagsjournal vom 12. Februar 2026.
Offizielle Sendungsübersicht:
Ö1 Mittagsjournal – 12.02.2026 (Beitragsliste)
Warum Drohnenabwehr 2026 im Fokus steht
Der Ö1-Beitrag startet mit einer Beobachtung, die viele in Europa bereits erlebt haben: Drohnensichtungen können sensible Bereiche massiv stören – besonders den Flugbetrieb. In Deutschland wurde laut Bericht ein neues Drohnenabwehrzentrum eröffnet, um Erkennung und Abwehr zu bündeln. (Das ist auch öffentlich dokumentiert worden.)
In Österreich läuft parallel die Arbeit an einer nationalen bzw. gesamtstaatlichen Drohnenabwehrstrategie, die die bestehenden Fähigkeiten zusammenführen und Abläufe verbessern soll – mit Blick auf öffentliche Räume, kritische Infrastruktur und Großveranstaltungen.
Drohnenabwehrstrategie Österreich: Akteure & Ziele
Laut Ö1 arbeiten mehrere Akteure an der Strategie: das Innenministerium, das Verteidigungsministerium, das Verkehrsressort und Vertreter aus der Wirtschaft. Inhaltlich geht es vor allem um:
- Koordination zwischen Behörden, Einsatzorganisationen und Luftfahrtstellen
- Früherkennung und ein besseres, gemeinsames Lagebild
- Schutzkonzepte für kritische Infrastruktur und Großevents (Hotspots)
- Regelsetzung & Vollzug (z. B. Registrierung, potenzielle Meldepflichten, technische Anforderungen)
„Wichtig ist zu unterscheiden zwischen drei Bereichen: das Schaffen des Lagebildes … passive Maßnahmen … aktive Maßnahmen.“
O-Ton sinngemäß nach dem Interview im Ö1 Mittagsjournal (12.02.2026)
Zuständigkeiten im Überblick
Ein Kernthema der Sendung ist: Wer macht was – und wann? In Österreich existieren bereits Strukturen; gleichzeitig wird an Schnittstellen (z. B. Assistenzeinsatz des Bundesheeres) weiter präzisiert.
| Bereich | Typische Aufgabe | Beispiele (aus der Debatte) |
|---|---|---|
| Sicherheitsbehörden (zivile Drohnenabwehr) | Lagebeurteilung, Einsatzkoordination, Abwehr im öffentlichen Raum (je nach Rechtslage) | Großveranstaltungen, öffentliche Plätze, Schutz sensibler Hotspots |
| Bundesheer (militärische Fähigkeiten) | Sensorik & Wirkmittel, Unterstützung im Rahmen definierter Schnittstellen | Assistenzeinsatz im Anlassfall, militärische Abwehrfähigkeiten |
| Luftfahrt/Flugsicherung (z. B. Austro Control) | Regel- & Verfahrensebene, Informationen zu Zonen/Freigaben, Koordination von Drohnenflügen | Geo-Zonen/No-Fly-Zones, Flugplanung & Freigaben, Verkehrskonzepte |
| Betreiber kritischer Infrastruktur & Veranstalter | Risikobasierte Schutzmaßnahmen (v. a. passiv) und Zusammenarbeit mit Behörden | Detektion/Schutzkonzepte, definierte Hotspots, Sicherheitsprozesse |
Meldepflicht, Registrierung & „Luftlagebild“: Was ist neu – und was gilt heute schon?
Im Beitrag wird ein Vorschlag von Bernhad Treibenreif (Direktion Spezialeinheiten DSE im BMI) genannt, der in der Diskussion besonders viel Aufmerksamkeit bekommt: künftig alle Drohnenflüge meldepflichtig zu machen – unabhängig von bisherigen Gewichtsklassen. Ziel wäre ein möglichst vollständiges Bild über kooperative Drohnenaktivitäten („wer fliegt wo?“) und damit eine klarere Abgrenzung zu potenziell illegalen Flügen.
Wichtig aus Betreiber-Sicht: Schon heute gelten in Österreich (EU-weit harmonisierte) Pflichten zur Registrierung und – abhängig vom Einsatz – zum Kompetenznachweis („Drohnenführerschein“). Außerdem sind Geo-Zonen / Flugverbotszonen zwingend zu beachten.
- Registrierung & Nachweise: Prüfe vor jedem Einsatz, ob Betreiber-Registrierung und Kompetenznachweis erforderlich sind.
- Geo-Zonen / No-Fly-Zones: Fliege nur, wo es erlaubt ist – und hole erforderliche Freigaben rechtzeitig ein.
- Dokumentation: Halte Deine Flugplanung, Freigaben, Einweisungen und Sicherheitskonzept (bei Projekten) sauber fest.
Weiterführend (intern bei Air&More): Drohnen Registrierung in Österreich · Drohnen-Verkehrsmanagement / Flugplanung · Dronespace (Austro Control) erklärt
Lagebild, passiv, aktiv: Wie Drohnenabwehr praktisch gedacht wird
Im Interview wird betont: „Drohne“ ist nicht gleich „Drohne“ – vom kleinen Multicopter bis zu militärischen Systemen. Für den Schutz von Veranstaltungen und zivilen Hotspots steht häufig der Umgang mit kleineren, schnell verfügbaren Drohnen im Vordergrund. Der Experte strukturiert die Abwehr in drei Ebenen:
- 1) Lagebild schaffen: Erkennen, bewerten, zuordnen – Informationen zusammenführen.
- 2) Passive Maßnahmen: Prävention, Sicherheitskonzepte, organisatorische Vorkehrungen; hier ist die Privatwirtschaft zentral eingebunden.
- 3) Aktive Maßnahmen: Operative Eingriffe im Rahmen der Zuständigkeiten und Rechtsgrundlagen.
Die Sendung betont außerdem: Entscheidend ist weniger „noch eine neue Stelle“, sondern bessere Vernetzung, klarere Prozesse und konsequente Regeldurchsetzung (z. B. Registrierung/Regelkonformität).
Großevents & kritische Infrastruktur: Hotspots schützen
Als Beispiel für ein „Übungsfeld“ wird im Ö1-Beitrag eine Großveranstaltung genannt (Song Contest). Bei Events dieser Größenordnung sind Drohnenabwehrmaßnahmen laut Beitrag „Usus“ – insbesondere, um Menschenansammlungen und sensible Bereiche zu schützen.
Spannend ist hier die Richtung, die skizziert wird: Betreiber kritischer Infrastruktur sollen stärker eingebunden werden, um Hotspots zu definieren und Schutzmaßnahmen – teils automationsunterstützt – aufzusetzen. Gleichzeitig wird betont, dass Übungen/Training und abgestimmte Abläufe entscheidend sind.
- Für Veranstalter: Drohnen-Risiko im Sicherheitskonzept berücksichtigen (Detektion, Prozesse, Meldewege, Zusammenarbeit mit Behörden).
- Für KRITIS-Betreiber: Risikobasierte Priorisierung, abgestufte Maßnahmen, klare Verantwortlichkeiten und Kontaktketten.
- Für Drohnenbetreiber: Bei Events und in sensiblen Zonen besonders strikt prüfen: Geo-Zonen, Freigaben, Dokumentation, Auflagen.
Was bedeutet das für Drohnenbetreiber in Österreich?
Viele Leser suchen bei „Drohnenabwehr Österreich“ eigentlich nach einer einfachen Antwort: Was ändert sich für mich? Aus dem Ö1-Beitrag lassen sich drei praxisnahe Punkte ableiten:
- Mehr Augenmerk auf „kooperatives Fliegen“: Wer sauber registriert, in erlaubten Gebieten fliegt und Prozesse nutzt, wird leichter als legaler Betrieb erkennbar.
- Mehr Sensibilität rund um Hotspots: Kritische Infrastruktur und Großevents stehen stärker im Fokus – damit werden Zonen, Auflagen und Kontrollen relevanter.
- Bessere Vorbereitung ist ein Vorteil: Flugplanung, Geo-Zonen-Check, Freigaben und Dokumentation werden wichtiger – gerade bei gewerblichen Einsätzen.
Praxis-Tipp (Checkliste vor jedem Flug):
1) Betreiber registriert? 2) Kompetenznachweis passend? 3) Geo-Zonen geprüft? 4) Freigaben vorhanden? 5) Projekt-/Kundenanforderungen dokumentiert? 6) Haftung & Versicherungsschutz passend zum Einsatz?
FAQ zur Drohnenabwehr in Österreich
Muss ich meinen Drohnenflug künftig anmelden (Meldepflicht)?
Im Ö1-Beitrag wird ein Vorschlag diskutiert, Drohnenflüge künftig breiter meldepflichtig zu machen. Ob und in welcher Form das kommt, hängt von der konkreten Ausgestaltung der Strategie und künftigen Regelungen ab. Aktuell gelten jedenfalls Registrierungspflichten und je nach Einsatz zusätzliche Anforderungen.
Was ist „Drohnenabwehrzentrum“ und wer ist zuständig?
In Österreich wird die Rolle der Sicherheitsbehörden (z. B. Spezialeinheiten-Strukturen) in der Debatte betont. Parallel geht es um Schnittstellen: Wann wird militärische Unterstützung (Assistenzeinsatz) beigezogen, wie laufen Information und Zusammenarbeit im Anlassfall?
Was sind Geo-Zonen / No-Fly-Zones – und warum sind sie jetzt wichtiger?
Geo-Zonen sind Bereiche, in denen Drohnenflüge erlaubt, eingeschränkt oder verboten sind. Mit dem stärkeren Fokus auf kritische Infrastruktur und Großevents werden diese Zonen in der Praxis noch relevanter – inklusive temporärer Beschränkungen.
Was meint „Lagebild“ bei der Drohnenabwehr?
Gemeint ist das Zusammenführen von Informationen, um Drohnenaktivitäten erkennen, bewerten und zuordnen zu können. Für Behörden ist das die Grundlage, um angemessene Schritte einzuleiten – und kooperative Flüge von problematischen unterscheiden zu können.
Was sollten Veranstalter oder KRITIS-Betreiber konkret tun?
Risikobasierte Planung: Hotspots definieren, Prozesse festlegen (Meldewege, Kontaktketten), ggf. Detektions-/Schutzkonzepte prüfen und eng mit Behörden zusammenarbeiten. Ziel sind abgestufte Maßnahmen – passend zur Gefährdungslage.
Quellen & weiterführende Links
- Ö1 Mittagsjournal (12.02.2026) – Beitragsübersicht
- Bundeskanzleramt: Entwicklung einer Drohnenabwehrstrategie (Hintergrund)
- BMI: gesamtstaatliche Drohnenabwehrstrategie
- Vortrag an den Ministerrat: Entwicklung einer Drohnenabwehrstrategie (PDF)
- Dronespace (Austro Control) – offizielles Drohnen-Portal
- oesterreich.gv.at: Registrierung der Drohnenbetreiber